Seite 1, noch ein Micra

Noch ein Micra

Nachdem mein Vater für gelegentliche Allgäu-Besuche ein Fahrzeug benötigte, hat er sich in Mitteldeutschland einen 2002'er 1l mit 60PS für 800 Euro gekauft. Wie üblich Wartungsstau und fehlerhafte Teile, aber noch rüstig. Ein Komplettservice bringt wieder die alte Performance, denn die Kolbenböden sind trotz 130' km noch blank! Verdichtung kalt gemssen:
12bar auf allen Zylindern, der wurde zwar schlecht gewartet aber schonend gefahren.
Wie üblich ab Mitte der 90'er ist die Qualität schlechter, als die 95'er Modelle, schlechte dünne Stoffe, verschlissene Innenausstattung, Rost an Blechkanten (Heckklappe und Scharniere), abblätternder Lack, defekter Türkontakt für Innenlicht, schwergängiges Getriebe (Schaltgestänge und Gelenke nicht gewartet).
Außerdem ist das der erste Micra K11, bei dem ich keine Querstabis sehe, entsprechend mies ist das Fahrverhalten. Vergleichbar mit VW Produkten, trotz besserer Achskinematik. Da wird gleich aus meinem Fundus ein Satz pulverbeschichtet und eingebaut. Die Faceliftmodelle der Micras zeigen den deutlichen Wechsel, weg vom sportlichen, knackigen Flitzer zu dem komfortbetonten entkoppelten Fahren heutigen Serienbreies. Nichts für mich.

Der 2002'er hat ABS, und innenbelüftete 18mm dicke Scheibenbremsen mit 232mm Scheibendurchmesser an der Vorderachse, leider nur Trommelbremsen an der Hinterachse, eine Klimaanlage (die nicht geht) und jede Menge Airbags, die mit einem vernünftigen Fahrwerk nicht nötig wären.
Das ABS bring einen gummiartigen Druckpunkt mit sich, was ein präzises Anbremsen und Rückmeldung von den Bremssätteln verhindert, also weg vom Gokart-Sport der Vorgänger.

Verbessert am 2002'er sind die vorderen Domlager. Bei den alten Modellen dreht sich die Gummibuchse gerne und quietscht beim Lenken. Die 2002'er haben diese Gummibuchse in einem Metallkäfig einvulkanisiert und in den Dom eingepresst. Hier knirschen die alten Modelle gerne beim Einschlagen.

Instandsetzung


Pulverbeschichtete- und mit Chassislack aufbereitete Teile für's grüne Monster und den 2002'er... Die Antriebswellen sind mit neuen Manschetten versehen und alle Teile gestrahlt und mit 2K Brantho Korrux lackiert.

  • Ölwechsel mit Ölschlammspülung, Befüllung mit 5W40 vollsynthetisch
  • Neue Zü:ndkerzen mit Iridium Elektrode (ich bin wohl der Erste, der an dem Auto die Zündkerzen wechselt...)
  • Nachdem noch nie Kühlwasser gewechselt wurde und das wieder recht stinkt, erst mal alte Brühe ablassen. Dank Alumotor ist wenigstens kein Rost drin. Bei der kleinsten Berührung zerbrach gleich der Ausgleichbehälter, eine alte Micra Krankheit.
  • Beim Blick unterm Auto sieht man sofort, warum die Bremse heiß wird: der linke Bremssattel hat eine gerissene Staubschutzmanschette, wieder Mechanikerarbeit, wie immer... Starke Korrosion bis zum Vierkant-Dichtring im Bremssattel erfordern eine ausgiebige Strahlaktion mit passenden Dummy Kolben, damit nur bis in die Nut der Staubschutzmanschette (Glasperlen) gestrahlt wird. Beide Kolben hatten deutlich Flugrost auf der Lauffläche und konnten nur mit Presse demontiert werden. Die Gleitstifte wurden ebenfalls falsch montiert, der Stift mit Gummihülse muß nach unten. Ein Satz neuer Staubschutzmanschetten und Vierkantringe ist auch nötig.
    Gleich neue Bremsbeläge drauf, aber wie weiter unten bei den Bremsbacken ist an den ATE Belägen die Profitsucht deutlich zu sehen, ich verwende diese Beläge schon seit über 10 Jahren und jede Generation wird noch sparsamer gefertigt. Inzwischen ist nur noch rudimentär Lack vorhanden, bei den Belägen am Fahrzeug meiner Mutter habe ich schon das Problem, dass sich die Beläge durch Korrosion von der Trägerplatte lösen... bei nahezu voller Belagstärke.

  • Die Bremsbacken und Montageteile der Trommelbremsen waren zwar neu, aber die rechte Hinterradbremse hatte nur die halbe Bremskraft. Der Zylinder war undicht und Bremsflüssigkeit hatte sich in den Belag eingelagert. Da wurde scheinbar schon x mal etwas herumgemurkst, denn das Radlager war viel zu stark angezogen (schwergängig, rauher Lauf und ausgetretenes Fett). Dieses ist also auch beschädigt, obwohl beim Micra die Radlager mehr als Lebensdauerfest sind.
    Die ATE Bremsbacken, die ich als Ersatz gekauft hatte sind aber inzwischen auch dermaßen mies gefertigt, die erste Prüfung auf dem Bremsenprüfstand hatte nur 50% Bremsleistung. Die Demontage zeigte, dass der Belag eine Polygonform und nur auf 5 oder 8 Linien getragen hatte. Mit Schleifpapier Verrunden und eine lange Einbremszeit ist nötig, bevor ich damit zum TÜV kann...
  • Der Türkontakt an der Fahrertür war wie beim grünen Monster auch defekt, ein Problem aller Micras mit Innenraum-Nachleuchtautomatik. Dieser kann zerlegt, gereinigt und neu mit Polfett geschmiert werden. Dann gingen die wieder. Wie immer: mehr Features erkaufen sich die Automobilfirmen mit mehr Problemen, weil die Features mit schlechteren/billigeren Teilen erkauft werden. Die Fahrzeuge müssen ja immer mehr Profit abwerfen, das bedeutet also einen Wenigerwert für den Kunden
  • Antriebswellenmanschetten sind gerissen, leider bekomme ich die Achsmuttern nicht ohne Weiteres auf. Warum? Hat wieder jemand gemurkst und die falschen Achsmuttern von der Hinterachse ohne das Sicherungsblech montiert. Außerdem wurden keine Unterlegscheiben verwendet, nun frisst alles fest. Nicht mal mit 1,5m Verlängerung ist dem beizukommen, da hilft nur die offene Flamme. Oder in meinem Fall ein WIG Schweißgerät. Die Muttern müssen eh' in den Schrott und die Korrekten mit Unterlegscheibe und Sicherungsblech kommen rein. Dann ist leider viel Schmutz in den Gelenken, also Waschen und Ausspülen, sehr sehr lange, bis die komplett trocken sind. Antriebswellen sind Wälzlager mit den gleichen Befindlichkeiten.
  • Das Schaltgestänge wurde nie gewartet und ist so schwergängig, dass man die Gänge schlecht findet. Diese muß komplett zerlegt und neu geschmiert werden. Beim Abnehmen der Hitzeschutzbleche über dem Auspuff sticht einem gleich der angegammelte Waagebalken der Handbremse ins Auge, warum die beim Bremsentest meist ungleichmäßig zieht. Dieses Waagebalkenblech muß komplett zerlegt, gestrahlt und mit Hohlraumfett neu montiert werden, dass es sich leichtgängig bewegen kann. So freut sich nicht nur der TÜV.
  • Stoßdämpfer werden auch gleich mal gewechselt, wenn auch noch nicht nötig. Aber ein Satz Bilstein B4 schadet der Fahrsicherheit bestimmt nicht... Da noch nie was an dem Fahrwerk gemacht wurde, sind die Befestigungsschraube der Stoßdämpfer an der Fahrerseite nahezu nicht lösbar (M12x1,25, 50mm Bundschrauben und Mutter) und müssen ersetzt werden.
  • Eine Tieferlegung (H&R Federn) um 30mm zur Verbesserung der Straßenlage (progressive Kennlinie) wird ebenfalls eingebaut. Nicht zu tief, aber ein schöner Gesamtanblick und eine verbesserte Straßenlage.
  • Ein Satz Stahl-Flex Bremsleitungen mit VA Armaturen darf bei einer Optimierung natürlich nicht fehlen! Ich kaufe einen Satz mit ABE und VA Armaturen(Fa. Spiegler), nachdem meine Goodriche mit verzinkten Banjos bereits im ersten Winter total vergammelt waren. Leider, wie bei allen Stahlflexleitungen, sind die hinteren Leitungen zu kurz und würden beim Ausfedern abreissen. Diese mußten wieder zurückgeschickt werden. Einen Monat Verzögerung.
  • Eine falsche Batterie wurde eingebaut und der Halter vermurkst. Die Batterie hatte keinen Kontakt, die Adapter passten nicht, darum hat der Fähnchenhändler einfach eine Schraube untergelegt und den Kontakt so angezogen, dass sich diese verbogen hatten. Eine neue Batterie musste her, die Kontakte konnten wieder zurechtgebogen werden. Das ebenfalls vermurkste Batteriehalteblech musste gerichtet und neu lackiert werden.
  • Mein Vater wünschte ein Anti Facelift der Rückleuchten, da die ausgewölbten mit den roten Rahmen nicht schön waren. Leider hat Nissan bei der Umstellung von Nissan zu Hella Kontaktträger die komplette Pinbelegung geändert. Hierzu musste der Stecker umgebaut werden.
  • Diverse defekte Skalenleuchten und Leuchtmittel (Bremslicht!) waren auch noch zu wechseln.
  • Die Rippenriemen scheinen auch noch Erstausrüstung zu sein, spröde, rissig, nichts mehr zu lesen, nur noch grobes Gewebe. Ich ersetze diese durch die langlebigsten Riemen, die ich kenne: Gates 4PK728 und 6PK955. Anziehen in zwei Schritten, erst mal zu leicht (Quietschen), dann leicht nachziehen, bis alle Riemen ruhig sind. Damit halten die Lager von WAPU und LIMA mehr als ein Autoleben.
  • Muß es etwas Gutes sein, oder darf es auch von Siemens sein? Der Funkschlüssel war natürlich maushin, wie bei allen vergleichbaren Schlüsseln. Es gibt für 5 Euro Ersatzteile, zwei SMD Taster und ein neues Gehäuse mit Gummimembrane. Na ja, China halt. Hat nicht funktioniert. Fehlersuche, das Gehäuse ist zu flach abgestuft, so dass die Gummimenbrane immer auf beide Taster drückt. Also gemurkst und mit Isolierband um 0,5mm mehr Distanz geschaffen. Nun geht er wieder der Siemens...
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