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Der Seat Arosa 1.0 Stella von 2002

Kapitel 1: Die ersten zwei Jahre

Dieses Fahrzeug ist Eigentum meiner Mutter, bisher die ca. 2500km Jahresfahrleistung mit meinem Auto gefahren ist.
Die Pflege hat sie lieber mir, als einer Werkstatt übergeben, nachdem sie gesehen hatte, was in der Garantiezeit mit meinem Wagen passiert ist, nichtsdestotrotz hat sie sich für einen Neuwagen entschieden.

Heckleuchten

Im ersten Jahr haben sich diverse Ausfälle in der Heckbeleuchtung bemerkbar gemacht, die nach Zerlegung der Scheinwerfer folgendes Fehlerbild ergeben haben: die Kontakte waren nicht korrekt in den Lampenträger eingeschweisst, wodurch mit der Zeit der Kontaktierung von der Lampe nachlies und ein Bremslicht nach dem Anderen ausfiel. Dies hat mich ca. 2h Arbeit gekostet, was wir einer Garantiereparatur vorgezogen haben. Schon die Murkserei bei der Reklamation hat meiner Mutter so weh getan, dass sie das Risiko einer Zerstörung durch mich vorgezogen hat. Die Reparatur habe ich mit einer Heissluftpistole und einem Durchschlag vorgenommen, der flach ist. Dieser wurde mit der Heissluftpistole angeheizt und damit die unvollständigen Verschweissungen nachgeschmolzen.

Heckscheibenwaschanlage

Nach ca. 1.5 Jahren funktionierte die Heckscheibenwaschanlage nun nicht mehr. Eine kurze Überprüfung ergab das typische Problem deutscher KFZ, was auch für die spanische VW Tochter Seat gilt: Die Kabelbäme sind extrem anfällig. Warum aber? Optisch sieht ja alles sauber verarbeitet aus. Allerdings sitzt der Teufel im Detail, um Geld zu sparen wird jeder cm. Kabel eingespart und die Kabel stehen an den Steckverbindern unter Spannung, weil sie zu kurz sind. Das ergibt halt nach einer Weile unter Umständen einen Kabelbruch, was hier erst mal an der Heckscheibenwaschanlage auftrat.

Motorsteuergerät

Waas, diese hochmoderne Motronic mit Servodrosselklappe macht Probleme? Na ja, das Ergebnis zeigt, dass die Motorprogrammierung wieder Schwachpunkte zeigt. Der Motor war schon mal so abgesoffen, dass meine Mutter einen Hilferuf zur ganzen Familie starten mußte, und das obwohl sie auf mein Anraten stets vor dem Anlassen die Zündung erst ein paar Sekunden anmacht, damit sich die Schaltung des Hitzdraht- oder Heißfilmsensors stabilisieren kann und schon die richtige Luftmenge berechnet wird. Häufig treten diese Probleme bei Fahrzeugen auf, die viele Kurzstrecken fahren und mangels Betrieb unter Selbstreinigungstemperatur etwas Ölkohleablagerungen an den Ventilen haben. Beim Starten des Motors sugt sich diese Ölkohle mit dem Benzingemisch an, der Motor springt nicht an und das Stueergerät fettet noch mehr an...

Ein weiteres typisches Problem ist beim Arosa/Lupo der Kurbelwellensensor. Dieser ist von relativ schlechter Qualität und fällt schon nach wenigen Jahren gelegentlich aus, was sich durch Aktivieren des Notlaufprogrammes bemerkbar macht. Übrigens ist auch die Qualität der Golf und Passat-Luftmengenmesser der Dieselmodelle von Bosch ziemlich mieserabel. Auch hier treten typischerweise Ausfälle auf. Besser sind die Hitachi Typen, die VW ebenfalls verbaut. Armes Deutschland!

Vorerst der größte Hammer: die Bremsanlage

In den Tests war schon zu lesen, dass die Bremsanlage etwas schwach ist, was für die gemütliche, also innerhalb der StVo zulässigen Fahrweise meiner Mutter aber kein Problem sein sollte. Wie dies zu verstehen ist, merke ich erst nach 7000km, als ein großer Service (Motoröl, Bremsflüssigkeit und Bremsencheck) ansteht. Da bereits die Bremswirkung recht schlecht ist, wollte ich die bewährten Ferodo Bremsbeläge montieren. Mit diesen hat man auch einen etwas höheren Bremsscheibenverschleiß, was die Korrosionsprobleme bei Wenigfahrern verringert, aber nicht stört und eine bessere Verzögerung bedeutet.

Außerdem sollten die Bremssättel lackiert werden, damit die Korrosion kein vorzeitiges Aus für die schwache Bremsanlage bedeutet. Nach der Demontage der Bremsscheiben, die schon wie bei einem 10 Jahren alten Nissan Micra nur mit einer Brechstange möglich war (!!!) zeigte sich das Bild des Grauens: Auf der Innenseite waren die Bremsscheiben komplett blau, durch das Hantieren mit der Brechstange sind schon durch die Härterisse Flächen ausgebrochen, die Beläge waren innen auch verglast (ca. 1mm von 15mm abgenutzt). Warum nur hat der Arosa so viele Luftleitsysteme am Bremssattel und an dem Vorderachsschenkel? An der Fahrweise meiner Mutter kann dies nicht liegen, sonst wäre die Bremsanlage des Micra ebenso defekt, den sie schon 7 Jahre mitbenutzt hatte. VW hat hier wieder gespart und extrem miese Qualität eingekauft, die Beläge sind zu weich, was zwar komfortabel ist, aber die Korrosion der Scheibe bei Wenigfahrern nicht in den Griff bekommt. Die Lupos meiner Arbeitskollegen zeigen übrigens das gleiche Bild des Grauens, diese Fahrzeuge werden aber jeden Tag benutzt! Außerdem klagen auch die Kollegen über die schlechte Verzögerung der Bremse im Vergleich zu anderen Fahrzeugen.
Miese Stahlqualität sorgt auch für ein schnelles Verrosten, z.B. zu sehen an der Golf Bremsanlage, hier habe ich die Hinterrad Bremsscheiben durch Sandtler Serienbremsscheiben ersetzt, und mit Ferodo Bremsklötzen kombiniert, vorne ist noch die abgedrehte Originalvariante montiert. Nach 18 Monaten Standzeit in der Scheune lies sich das Hinterrad leicht durchdrehen, die Vorderache nicht mehr, dank kräftigen Rostansatz.

Das schnelle Festrosten der Bremsscheibe an der Radnabe kommt wieder durch eine weitere Sparmaßnahme zustande: dieser ABS lose Wagen hat die Radnabe mit drei zusätzlichen Bohrungen für den Ring, der an die Radnabe geschraubt wird. Es gibt also nur noch eine Variante der Radnabe. Der Nachteil dieser nicht verdeckten Löcher, ist die Tatsache, dass Wasser eintreten kann. Besonders im Winter unter Streusalzeinfluss sorgt dies für eine schnelle Korrosion zwischen Radnabe und Bremsscheibe. Da das Radnabenmaterial aus einer festeren und damit höher legierten Stahlsorte besteht, ist die Korrosion hier nicht so ausgeprägt.

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